Stets kritisch

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Dienstag, 4. März 2014

Die Renaissance des Haars in der Suppe



Die Renaissance des Haars in der Suppe - Von Philipp Heine

Liegt es an mir, an meinem fortschreitenden Alter oder an meinem Mangel an Coolness? Wohin ich in letzter Zeit auch blicke, Fernsehen, Innenstadt, Gaststätte  oder Verein, überall tummeln sich immer mehr junge Männer mit unfassbar hässlichen Hornbrillen, Vollbärten, Häkelmützen und Markenkleidung, die wohl aussehen soll, als wäre sie keine. Ich gestehe, dass mich langsam eine gewisse Panik befällt, dass die unsäglichen 70er Jahre wieder über uns hereinbrechen, die an Stilmangel selbst durch den Neandertaler nicht übertroffen wurden. Nachdem Generationen von Heranwachsenden sich in der Kunst der Selbstverstümmelung und Selbstentstellung in einem wahnwitzigen Wettbewerb zu überbieten versuchten, ist die derzeitige Krönung in Form des sogenannten Hipsters erreicht.
 
Durch den Einsatz von Pickelhauben, Pomade, Imponiernarben im Gesicht, flächendeckenden Tätowierungen, Piercings, Brandings, Implantaten, Ballonmützen, Pumphosen, Schlaghosen, unrasierten Achselhöhlen oder rot gefärbten Haaren war es bislang nicht gelungen, das offensichtliche Endziel, nämlich die Ausrottung der Gattung Mensch durch Verhinderung von Beischlaf, zu erreichen. Nun könnte es bald soweit sein: Vor meinem Auge entsteht die beunruhigende Vision eines lockigen Vollbartes, der zärtlich eine Melange von Eigelb, Caffè latte und Bulgursalat auf Lisa-Marie´s Hello-Kitty-Tattoo pinselt, beobachtet von zwei Augen, die durch eine übergroße Brille blicken, die an Streber in der Unterstufe oder amerikanische Großmütter erinnert. Im Hintergrund spielt „Hey Brother“ von Avicii in Endlosschleife auf N-Joy. Liebe Tiere, Eure Zeit der Herrschaft ist gekommen!
 
Wie kann es kommen, dass der Bart, ein rudimentäres Relikt aus Primatenzeiten, immer wieder einen Weg findet, als Stilmittel der Selbstinszenierung missbraucht zu werden? Selbst nachdem Kaiser und Führer die Funktion der Gesichtsbehaarung als Genital- und Gehirnsubstitut bewiesen haben, scheinen Männer den mundnahen Akzent zu brauchen. Bereits wenige Tage nach der Pubertät denkt sich der 15-jährige Lehrling, dass ihn der weiche Flaum stante pede zum Alpharüden befördert, wenn er ihn stehen lässt. Später, wenn sich der Bartwuchs gefestigt hat, steht eine ganze Bandbreite von Bartformen zur Verfügung, die – jede auf ihre Art und Weise – den Anschein erweckt, als hätte der Träger eine besondere Botschaft, die mit großer Männlichkeit vertreten wird. Da ist der solide und bescheidene Bürger mit Schnauzer, der Intellektuelle mit norddeutschem Fischerbart, das kreative Filou mit Zwirbelbart, oder der weise Großvater mit Weihnachtsmannbart, der sich leider häufig als Obdachloser entpuppt.  Alle tragen sie die haarige Gesichtsmaske, die stets den Verdacht hinterlässt, dass etwas verborgen werden soll. Jene Männer, die sich in Bart-Vereinen zusammenschließen  und täglich Stunden mit Wachs, Brennschere und Fön zubringen um abstruse Gebilde dort entstehen zu lassen, wo andere lächeln und sich küssen, treiben das Gefühl auf die Spitze, dass Äußerlichkeiten von massiven Problemen ablenken sollen. Je größer und exzentrischer der Bart, und damit das Werbetransparent, desto enttäuschender kann es sein, mit diesen Menschen erste Worte zu wechseln, wenn man feststellen muss, dass es sich weder um einen Vertreter der Intelligenzija, noch einen griechischen Gott handelt.
 
All diese Tatsachen sind seit geraumer Zeit bekannt. Nun jedoch fällt auch dem bebrillten Mützenverehrer ein, dass der Bart seine Gesamterscheinung perfekt abrunden könnte und er schlau und alternativ vor der weiblichen Welt erscheinen würde.
Die Geschichte lehrt uns, dass das schöne Geschlecht wahrscheinlich auch bei dieser modischen Entgleisung dumm und blind genug sein wird, den Hipstern Schläue und Stil abzukaufen. Später, im posthormonellen Alter, werden auch die Vertreterinnen dieser Generation dann die alten Bilder betrachten und sich mit leichter Röte im Gesicht fragen, was sie sich damals gedacht hatten.
 
Mit anderen Worten: Auch wenn ich derzeit einen ästhetischen Alptraum erlebe, muss ich mir eingestehen, dass die Menschheit wohl auch dieses Mal überleben wird. Ich denke, dass dies eine positive Erkenntnis ist, die mich dazu bringt, das alberne Treiben um mich mit einem Lächeln zu beobachten. Gut rasiert werde ich abwarten, welche vergangenen Fehltritte der Mensch sich als nächstes anschickt, aus der Mottenkiste der Geschichte hervor zu kramen. Irgendwie habe ich den Verdacht, dass es riesige Schulterpolster sein könnten.

Ich wünsche Ihnen gute Fahrt im ewigen Kreislauf der kommerziellen Stillosigkeit.

Philipp Heine

Samstag, 1. März 2014

…und ein Engelchen für die Dame



…und ein Engelchen für die Dame - Von Philipp Heine

Die moderne Frau ist weltoffen, kritisch, sachlich und pragmatisch. Nur Relikte sind von den Tagen geblieben, als ein Frauenzimmer als hysterisch galt, wenn es wagte, dem Patriarchen den Gehorsam zu verweigern. Ohnmacht und Riechfläschchen gehören der Vergangenheit an, wie die ausschließliche Zuordnung der Frau zu Kirche, Kind und Küche. Die Dame von heute bekennt sich zu ihrer genetischen Befähigung zum Multitasking und managt die berufliche Karriere und ihren ausgehandelten Anteil des Haushalts.
Manchmal stößt der männliche Betrachter jedoch erstaunt auf kleine kitschige Anzeichen dafür, dass noch versandete Überbleibsel jenes Harmonietriebes verblieben sind, der Frauen einen großäugigen feuchten Blick abnötigt, wenn Familie, Freunde, Heimat und das Jenseits für einen Augenblick in einem kuschligen Nest vereint sind. 

 Eins dieser Anzeichen ist das Engelchen. Diesem in Ostasien produzierten, fromm nach schräg oben blickenden, in zum Sternzeichen passendem Kristall vorrätigen und bereits für nur 12,99€ verfügbaren Archetyp der Weiblichkeit möchte ich mich heute zuwenden.
 
Die reine christliche Lehre ist heute nur für wenige weibliche Vertreter der neueren Generationen Deutschlands eine Antwort auf ihre Fragen nach dem „Woher?“ oder „Wohin?“. Spirituelle Aktivität kann dieser Tage unter dem Oberbegriff „Esoterik“ subsumiert werden. Aus allerlei Religionen, Riten und Traditionen werden verschiedene Elemente entliehen und zu etwas anscheinend Neuem modelliert. Dabei fällt auf, dass Männlein und Weiblein bei der Auswahl ihrer neuesten Welterklärung unterschiedliche Schwerpunkte setzen: Männer stehen auf dunkle Beschwörungen, Kutten, Mystik und Initiationen, während die Damen nicht ohne Accessoires wie Kristalle, luftige Tücher, ätherische Öle, gläserne Pyramiden oder eben Engel auskommen. Mehr oder weniger erfolgreich versuchen sie den Spagat zwischen Individualität und Anpassung an Gemeinschaft und Regeln. Besonders für Frauen sind letztere sehr wichtig, da sie dazu neigen, Dinge korrekt und sorgfältig tun zu müssen. Ohne eine Gruppe oder Vorgaben, könnte kein Gefühl der Erfüllung und des Erfolges erzielt werden. Man fragt sich, mit welcher Selbstdisziplin es den Inhabern von Esoterikläden gelingt, nicht kreischend loszulachen, wenn sie mit verstehendem Nicken das Kristallengelchen und die Flasche mit Duftöl einwickeln.
 
Warum Engel? 
 
In der Tradition der abrahamitischen Religionen waren Engel Hofstaat, Leibwache und Botenservice Gottes. Aufgeteilt in eine strikte Hierarchie, unsterblich und von gottähnlicher Reinheit waren sie alles andere als niedlich und menschenfreundlich. Allein ihr Anblick konnte tödlich oder mindestens gesundheitsabträglich sein. Mit flammendem Schwert fungierten sie als Türsteher der himmlischen Exklave auf Erden, nämlich des Paradieses. Michael und Gabriel sind Inbegriff der ultimativen Krieger, vor denen kein Ungeheuer oder Heide bestehen konnte. Auch Luzifer (lateinisch für „Lichtbringer“), der als Inkarnation des Teufels gilt, soll ein gefallener Engel gewesen sein, dem sein Hochmut den Fall bedeutete. Bilder zeigen Engel als androgyne Wesen, für die leibliche Vergnügen kein Thema sind. Vermutlich würden ausladende Gemächte und Brüste auch für eine schlechte Aerodynamik sorgen und den Flug durch lautes Hin- und Herschlappen stören.
 
Erst im Zeitalter des Barocks, als absolutistisch-hedonistische Herrscher sich aus gutem Grund lieber niedliche Gottesboten vorstellten, die eher freundlich und liberal mit fleischlichen Verfehlungen umgingen, wandelte sich das Bild des Engels in die Richtung, die heute allgegenwärtig ist. Man kann sagen, dass heutige Engelsdarstellungen nur geringe Ähnlichkeit mit den Engeln der Bibel haben. Erstaunlich ist jedoch, wie exakt sie all die Ideale wiederspiegeln, die von der modernen Werbung transportiert werden: Blütenweiße Reinheit, ewige Jugend, Überwindung des Todes, schlanke Linie und – trotz Flug – immer eine perfekte Frisur. Nicht zuletzt den beiden frivolen Engels-Putten, die zu Füßen Raffaels „Sixtinischer Madonna“ dargestellt sind, verdanken wir die Tatsache, dass auch das Kindchenschema mit Engeln zusammenwuchs. Mutti kann also auch beim Gedanken an Engel den Babymodus aktivieren, wobei ihre Pupillen auf das Niveau eines japanischen Comic-Sympathieträgers anwachsen.
Befragt man die Damen, was Engel so bedeutsam für sie macht, dann wird man in der Regel mit zwei Aussagen konfrontiert, die eng miteinander verknüpft sind:
 
Zunächst wird davon ausgegangen, dass die Seelen verstorbener Verwandter nicht im Nirwana verwehen, sondern, jedenfalls wenn die betreffende Person reinen Herzens war und stets rechtschaffend handelte, nach dem Tod zum Engel wird und auf diesem Wege Teil sowohl der himmlischen, wie auch der irdischen Welt sein kann.
Zweitens übernehmen diese geliebten Verstorbenen die Funktion des Schutzengels. Stets sind sie da und halten ihre schützende Hand über uns, wenn Gefahr droht oder Trost benötigt wird.
 
Ich möchte kein Urteil darüber fällen, wie wahrscheinlich und begründet dieser Engelsglauben ist. Abschließend und zusammenfassend soll aber bemerkt werden, dass das Konsumprodukt Engelchen für die Dame, fast so genial ist, wie Bier für den Herrn. Alles, was die durchschnittliche Frau positiv finden kann wird bedient: Babys, Familie, Trost, Sauberkeit, Ordnung und Geborgenheit werden relativ preiswert, transportabel, dekorativ und gesellschaftlich anerkannt dargeboten. Zudem verspricht der Besuch eines adretten Esoterik-Fachgeschäfts ein tolles Shopping-Erlebnis inklusive Sphärenklängen, empathischen Ratgebern zu Leben und Suche nach der eigenen Mitte, freundlichen Tüchern in aktuellen Modefarben und einem netten Verkäufer, der stets ein geheimnisvolles Lächeln auf den Lippen zu haben scheint.

Ich hoffe, dass die himmlischen Heerscharen Ihnen  gewogen sind, auch ohne dass Sie die deutsche Engelchenindustrie zu neuen Rekordzahlen gebracht haben.

Philipp Heine

Dienstag, 25. Februar 2014

Familienfreundlich ins Krisengebiet? Arabischer Frühling ist nicht im Sauerland!

Familienfreundlich ins Krisengebiet? Arabischer Frühling ist nicht im Sauerland!
- von Captain Slow

Unsere neue Verteidigungsministerin fliegt also nach Afrika und lotet neue Einsatzgebiete für die Bundeswehr aus. Die Truppe, die schon unter Franz Josef Strauß als bedingt abwehrbereit galt und heute nur noch ein Auffangbecken für Sozialversager ist.

Zunächst sollte die Armee nur familienfreundlicher werden. Elternzeit in Afghanistan? Die Idee war wohl noch nicht wirklich zu Ende gedacht. Sei es drum. Frau von der Leyen war da noch ganz frisch im neuen Amt und hatte wohl noch das alte Ressort im Kopf. Ältere Menschen stellen sich eben nicht so schnell auf neue Situationen ein. Es sei ihr nachgesehen.

Aber warum soll die Bundeswehr denn bitte neue Einsatzgebiete erschließen? Wir erfahren doch jedes Jahr wieder von dem Wehrbeauftragten, wie katastrophal es um die Ausrüstung der Armee steht. Neue Anschaffungen gehen stets in die Hose. Ketzerisch gefragt: Wie sollen die Herren und neuerdings auch Damen der Truppe denn überhaupt nach Afrika kommen? Mit einer Transall von 1967? Ich schlage Ryanair vor. Die haben Erfahrung mit haarigen Landungen unter Extrembedingungen.

Wenn da finanziell nichts zu holen ist und die Bundeswehr das auch eigentlich nicht hinkriegen kann, warum ist unserer Regierung dann neuerdings so daran gelegen, auf den Schlachtfeldern der Welt mitzumischen? Die Antwort ist einfach: Wir sind wieder wer. 1954 reichte dafür noch ein Weltmeistertitel. Aber jetzt geht es um die große Nummer. Vorbei die Zeiten, als der jeweilige Bush pfiff und nur der englische Pudel „Sitz“ und „Fass“ machte. Nebst ein bis zwei baltischen Staaten, die sich einschleimen wollten, aber gar keine Armeen hatten, weil der Ivan ihnen das Kriegspielen im Kalten Krieg verboten hatte. Danach kam der Arabische Frühling und die Franzosen engagierten sich militärisch. Das nagt an der deutschen Seele. Ausgerechnet die Franzosen, die doch jeden Krieg verlieren, sich hinterher aber als Sieger feiern. Kann doch nicht sein. Und Libyen war natürlich die Krönung. Da griffen – festhalten – die Italiener ein, weil der lüsterne Monarch vom Tiber dort Bankeninteressen sah. Italiener in Nordafrika? Da war doch mal was. Und das ohne uns? Jetzt ist es vorbei! Jeder weiß, dass ein italienischer Panzer nur einen Vorwärtsgang, aber vier Rückwärtsgänge hat. Die düsen rückwärts durch die Wüste und Westerwelle wünscht von ferne gutes Gelingen? Wie würde Gerhard Schröder sagen: Da machen wir was!

Aber jetzt kommt natürlich die deutsche Krux: Es muss immer alles gerecht zugehen, mit der UNO abgestimmt sein und man darf niemals aus anderen als altruistischen Gründen handeln. Deshalb muss bei jedem Staatsbesuch eines deutschen Regierungschefs bei Putin streng hinterfragt werden, ob dort auch die Einhaltung der Menschenrechte ausreichend angemahnt worden ist. Ich wette, dass Putin das immer sehr niedlich findet. Und natürlich China. Ganz besonders dort muss Frau Merkel die deutschen Standpunkte betreffend Menschenrechte und Meinungsfreiheit einfordern. Macht das so, wie wir es für richtig halten, sonst... tja. Was sonst? Sonst verkaufen wir Euch nicht mehr die Maschinen und Premiumautos, auf denen unser Wohlstand aufgebaut ist? Na klar. Weil wir ja dämlich sind. Sind wir nicht! Und das wissen die Chinesen auch. Was für ein Unsinn wird da eigentlich von unserer linksintellektuellen Elite verlangt, die 1968 schon die Welt verstanden hat und deshalb seit 45 Jahren nicht mehr nachzudenken braucht?

Wo sollen wir also eingreifen und wo nicht? In Syrien offenbar nicht. Da hat Herr Putin was gegen. Also Finger weg. Libyen wäre gegangen. Afghanistan? Da sind wir ja schon. Läuft super. Blühende Landschaften. Hätten wir mit in den Irak einmarschieren sollen? Also ein brillanter Sieg der Freiheit sieht anders aus als Bagdad 2014.

Wie kommen wir eigentlich auf die Idee, dass wir anderen Kulturen unsere Lebensweise beibringen müssen? Über die syrische Opposition regt man sich jetzt auf, weil da islamische Fundamentalisten auf Seiten der Opposition mitkämpfen. In Ägypten hat zwischenzeitig die Muslimbruderschaft das Regime übernommen, bis ausgerechnet das Militär wieder an die Macht kam. Ja und? Was sonst würde denn dort passieren? Das alte System wird gestürzt, es bilden sich öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten, Presse- und Meinungsfreiheit manifestieren sich in einer modernen Verfassung? Eine Demokratie nach westlichem Vorbild wird installiert und behauptet sich? Ein Wirtschaftswunder, das seinesgleichen sucht, überschwemmt das Land mit Wohlstand? Das hat einmal in Westdeutschland funktioniert und wir sollten dafür ewig dankbar sein. Es passiert aber nicht in Nordafrika, nicht im Nahen Osten und auch sonst nirgends.

Mein Vorschlag für die Krisengebiete dieser Welt: Raushalten. Die Grande Nation, die an sich immer sehr stolz auf ihre Armee ist, zieht nach neuesten Meinungsumfragen die Einsätze in Zentralafrika stark in Zweifel. Die Mehrheit der Franzosen ist demnach der Ansicht, es sei Sache der Afrikaner, die Probleme zu lösen. Der Verteidigungsminister der USA, Chuck Hagel, hat gerade erklärt, dass Amerika sich seine Streitkräfte nicht mehr leisten kann. Sie werden verkleinert, die USA ziehen Truppen aus den Krisengebieten ab und werden sich zukünftig nicht mehr als Weltpolizist betätigen.

Selbst die Amerikaner haben also endlich kapiert, was Sache ist. Aber Frau von der Leyen sucht neue Betätigungsfelder für die Bundeswehr. Man könnte verrückt werden.

Captain Slow






Der Amerikaner



Der Amerikaner - Von Philipp Heine

Deutschland ist eine Nation von sportlichen, gebildeten und weltgewandten Schöngeistern. Entsprechend fällt es schwer, all diese vulgären, oberflächlichen und ungebildeten Amerikanismen zu ertragen, die wie eine stinkende Flut über den Atlantik schwappen. Amerikaner sind nun einmal oberflächlich, fett und dumm. Wenn sie morgens ihre Schrotflinte schultern und sich auf den Weg zur nächsten Hinrichtung machen, vergessen sie nicht, einige Wurfzettel einzupacken, auf denen sie die Evolutionslehre leugnen. Sie spionieren uns aus, beleidigen uns, nutzen uns geschäftlich aus und zwingen uns, ihr Niveau zu übernehmen. 
 
Der Zorn gegen den Yankee ist so groß,  dass ich fast täglich empörten deutschen Wutbürgern begegne, die anprangern, dass die Amerikaner nicht wissen, wo Berlin ist, während sie selbst natürlich genau über den Bildungsstand jedes einzelnen von ihnen informiert sind. Es braucht nur ein Stichwort, und der tiefe Zorn entlädt sich lautstark. Nichts, was von einem Amerikaner geplant, produziert oder organisiert wurde kann von dem Verdacht losgesprochen werden, Kultur, Frieden und Menschlichkeit zu gefährden.
 
Die rechtschaffene Verurteilung der Cowboys scheint den Deutschen ein Bedürfnis zu sein, das direkt aus ihren Herzen spricht. Selbst in erotischen Kontexten zeigen die Germanen kaum solche Leidenschaft, wie bei der innerlichen Verbrennung von Stars and Stripes.
 
Ich komme nicht umhin, dieses Phänomen näher zu begutachten und mich nach dem Grund zu fragen, dem diese  Aggression entspringt.
 
Gehen wir systematisch vor: In den vergangenen 70 Jahren haben die Deutschen aus ihrer Vergangenheit gelernt und haben die ehemaligen Sieger in Sachen Humanismus und Friedfertigkeit weit übertrumpft. Es ist also vollkommen unmöglich, dass die Wut ein Ausbruch verdrängter Fremdenfeindlichkeit ist, die an die Oberfläche gelangen konnte, weil der Hass auf Amerika in weiten Teilen unseres Planeten politisch korrekt geworden ist. Gott bewahre! Im Gegenteil!  Es ist der ungehobelte und kurzgedachte Aktionismus der Amerikaner, der regelmäßig in kriegerischen Konflikten gipfelt und so unseren mahnenden Zeigefinger nötig macht. Während Deutschland, das ja geradezu Inbegriff des Pazifismus ist, jahrzehntelang für den Weltfrieden eingetreten ist, indem es sich nicht an Konflikten beteiligt hat und alle Parteien gerecht und gleichmäßig mit Waffen versorgt hat und sich jedes Mal demonstrativ beschwert hat, wenn die Bündnispartner Waffen und Soldaten einsetzten, um Europa und die Demokratie zu verteidigen, haben die Amerikaner ihre Hände mit Blut besudelt und sogar ihre Söhne und Töchter geopfert. Und für diese Gewalttaten hat der Ami vermutlich sogar etwas mehr von diesen Kriegen profitiert als Deutschland. Verwerflichkeit, wohin man blickt.
 
Es drängt sich aber der Gedanke auf, dass auch das kulturelle Sendungsbedürfnis der Amerikaner den Groll in uns hegt.
Allein, was uns kulinarisch aufgedrängt wird, provoziert hysterisches Wutgeschrei: Fette Hamburger, Genmais und Cola. Dieser Auswurf des Satans verdrängt unsere traditionelle und gesunde Nahrung, wie Eisbein, Wurst, Spanferkel oder Saumagen. Nun werden wir alle dick und sterben.
 
Amerikanische Filme, Musik und Autos sind aus ein und demselben Grund schlecht für uns: Wir werden genötigt und dergestalt gehirngewaschen, dass wir „cool“, jugendlich, schön und modern sein müssen. Dieser Wahn ist das genaue Gegenteil unserer wahren Natur und macht uns krank.
 
Jeder weiß, dass die amerikanische Weltverschwörung auf Dummheit und mangelnder Bildung basiert. Analysiert man, auf welchem Bildungsniveau Amerikaner ihre berufliche Laufbahn antreten, dann muss man feststellen, dass Deutschland ihnen, mit Ausnahme der Geistes-, Natur- und Technikwissenschaften, weit überlegen ist. Angesichts der Tatsache, dass Amerika über Atomwaffen und Weltraumtechnologie verfügt, ist das wahrlich beängstigend.
 
Ein weiterer Stein des Anstoßes ist die amerikanische Verlogenheit und Bigotterie: In Amerika ist per Gesetz alles verboten, was Spaß machen könnte, da nirgendwo auf der Welt mehr religiöse Fanatiker herumlaufen. Gleichzeit hält sich jedoch niemand an diese Gesetze und im stillen Kämmerlein wird ohne Unterlass gesündigt. In Deutschland hingegen ist auch alles verboten, was Spaß macht, aber wir halten uns an die Gesetze, wie es sich gehört, und brauchen keine religiösen Begründungen für Verbote.
Abschließend und zusammenfassend komme ich zu dem Ergebnis, dass die Deutschen viele gute Gründe haben, Amerika in seine Schranken zu weisen. 
 
Keiner dieser Gründe hat etwas  mit Neid zu tun. Der Grund aber, der das Fass zum überlaufen bringt, ist, dass die Amerikaner dem Fußball nicht die angemessene Stellung  einräumen, die ihm gebührt.
 
Ich wünsche Ihnen deutsche Disziplin und Tapferkeit im Kampf gegen das Böse.

Philipp Heine

Sonntag, 23. Februar 2014

Will ich in der ersten Reihe sitzen?



Will ich in der ersten Reihe sitzen? - Von Philipp Heine

Vor langer Zeit ähnelten sich Weltpolitik und Fernsehen sehr: Beide hatten nur zwei mögliche Programme und alles war sauber in schwarz und weiß aufgeteilt. Angeboten wurden mindestens 10 Jahre alte Spielfilme, Talkshows, einige Serien, Tatort, Aktenzeichen XY, Tagesschau, Schulfernsehen, Sesamstraße und im Sommer einen Karton für´s Kind. Zudem hatte man die Wahl zwischen einem Schweinderl der Wahl und „Wetten dass…“. Auch die altdeutsche Fraktion war nicht vergessen worden. Mit fröhlichem Schunkeln im Musikantenstadl konnte Omas Generation beruhigt und davon abgehalten werden, den Rest der Welt wieder heim ins Reich holen zu wollen. 

Schließlich in den 80ern brach die Medienbarbarei über Deutschland herein. Die Privaten kamen und brachten neue Ideen und wechselhaftes Niveau mit. Erstaunlicherweise blieben die Konzepte und Inhalte der öffentlich-rechtlichen Sender bis heute davon komplett unberührt. Gelegentlich wurde ein Format übernommen, ab und an verlor man Übertragungsrechte für Sportveranstaltungen, aber trotzig blieb alles unverändert. Der einzige Wandel der in den letzten 30 Jahren erkennbar geworden ist, besteht darin, dass in Talkshows nicht mehr geraucht und weniger Alkohol konsumiert wird (, es sei denn, Helmut Schmidt ist anwesend). Und nicht zu vergessen: Die Mainzelmännchen wurden dem Multimediazeitalter angepasst.
 
Von Beginn an hatte der staatliche Rundfunk den Charme einer Beamtenfantasie. Verwirrung und Verwunderung über Stilblüten und Kuriositäten wurden unmerklich zum festen Bestandteil medialer Unterhaltung in Deutschland. Es ist faszinierend, dass sich einige Ikonen der Absurdität bis heute bewahrt haben: Das bajuwarische Schulfernsehen wurde in den 70er Jahren gestaltet und gedreht. Seither werden die gleichen Folgen regelmäßig über den Äther gejagt. Jede dieser Sendungen, ob naturwissenschaftlicher oder fremdsprachlicher Art, hinterlässt Zuschauer, die zwar keinen Deut besser in Naturwissenschaften oder Fremdsprachen geworden sind, aber mit offenem Mund staunen und sich fragen, ob sie das eben wirklich gesehen, oder merkwürdig geträumt haben. Beängstigend blickende Männer mit Pullundern und Frisurversuchen, die darauf schließen lassen, dass sich ihre nächtlichen Fantasien ausschließlich um Mama und mathematische Ableitungen drehen, referieren monoton Zahlenreihen, die grobpixelig auf dem Bildschirm erscheinen und genauso anschaulich und nachvollziehbar für Schüler sind, als wären sie auf russisch geflüstert worden. Die einzigen Lektionen des Schulfernsehens, die sich ins Gedächtnis eingebrannt haben, beziehen sich auf das Erkennen von sexuellen Abwegen bei gescheiterten Akademikern.
 
Nicht ohne Grund fragt man sich, was eigentlich mit all den Rundfunkgebühren angestellt wird, die von jener schwarzen Brigade eingetrieben wird, in der sich all jene tummeln, die früher lederbemäntelt Abweichler in Limousinen mit laufendem Motor geschubst und in korrektiven Institutionen verschwinden gelassen hätten.
 
Die erste Antwort lautet: Einkauf von Sportübertragungsrechten. Das System von Doping, Korruption und Ausnutzung derer, die´s in den Beinen und nicht im Kopf haben, wird am Laufen gehalten, damit auch Hooligans und Subalterne gelegentlich Erfolge feiern können.
 
Als zweite Antwort müssen Rundfunk- und Fernsehpreise genannt werden: Fachleute, die man nicht kennt, beurteilen Prominente, die man nicht kennt, um ihnen für Beiträge, die man nicht kennt, Preise zu überreichen, die nach Menschen benannt sind, die man nicht kennt.
 
Die letzte Antwort muss natürlich der Posten der Gehälter sein. All die Kreativen, die uns täglich erleuchten und beglücken, verdienen selbstverständlich eine großzügige Entlohnung. Da Qualität immer teuer ist, muss der Rundfunk sowohl durch den Verkauf von Werbeslots, als auch durch die Beiträge des Bürgers finanziert werden. Jedem Politiker und sonstigem Verantwortlichen ist dabei zweifellos klar, dass die Beiträge pauschal sein müssen und sich nicht auf tatsächlich konsumierte Dienstleistungen beziehen dürfen, da sonst binnen einer Stunde nur noch 6300 pensionierte Lehrer aus der 68er Generation öffentlich-rechtliche Sender einschalten würden. Gewisse Widersprüche mit Verfassung und freier Marktwirtschaft können hingenommen werden, da der Deutsche nicht wirklich dafür bekannt ist, sich gegen die Obrigkeit aufzulehnen. Es bleibt uns also nur, ARD, ZDF und die dritten Programme als historisches Kuriosum zu betrachten, auch wenn klar ist, dass Menschen, die sich von so etwas unterhalten lassen, sicherlich auch über Behinderte lachen. 
 
Die Erfahrung lehrt, dass auch ein blindes Huhn mitunter Körner findet. So habe auch ich schon durchaus Interessantes und Amüsantes im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gesehen und gehört. In Anbetracht der Rechnung, die mir allerdings dafür präsentiert wird, hätte ich darauf verzichten können.

Ich wünsche Ihnen zarte Opernklänge, Schunkeln und binomische Formeln, die Garant für tiefen und gesunden Schlaf sind.

Philipp Heine